Blauhelmmission PIRATEN-Fraktion

 

Mittwoch, 21.06.2012

Zur Vorstandssitzung des Kreisverbandes Offenbach Land der Piratenpartei Deutschland kommt die PIRATEN-Fraktion des Kreistages des Landkreises Offenbach mit einer Bitte auf den Vorstand zu: Um die Objektivität bei der Auswahl des Geschäftsführers zu gewährleisten wird gewünscht, dass der Kreisvorstand zwei neutrale Beobachter zu den Einstellungsgesprächen entsendet. Diese sollen während der Gespräche beobachten, ob das Einstellungsverfahren möglichst ohne Bevorzugung oder Benachteiligung abläuft. Hauptsächliche Ursache dafür ist, dass sich die Frau von Eduard beworben hat. Nach kurzem Abklären der Termine für die Vorstellungsgespräche stellen sich Yannick und André zur Verfügung, welche durch einen Vorstandsbeschluss bestätigt werden.

 

Mittwoch, 04.07.2012

Es findet ab 18 Uhr vor dem Stammtisch in Rodgau ein Vortreffen zwischen der Fraktion und uns statt, um den generellen Ablauf des Verfahrens, den zeitlichen Ablauf während der Gespräche und die Inhalte der Fragen zu klären.

Die Fraktion erklärt, dass es sich bei einer der Bewerberinnen um Eduards Frau handelt und es deswegen der Fraktion sehr wichtig ist, dass die Auswahlgespräche objektiv bleiben.

Jedes Gespräch findet in vier Phasen statt:

  1. Selbstvorstellung des Bewerbers
  2. Fragen der Fraktion zum Lebenslauf und offenes Gespräch
  3. Fachfragen an den Bewerber
  4. Fragen des Bewerbers an die Fraktion

In der dritten Phase wird Eduard nicht teilnehmen, damit er keine Kenntnisse der Fragen erhält. Nachdem Eduard den Raum verlassen hat werden uns die geplanten Fachfragen vorgestellt. Uns werden die Fragen durch Christoph vorgestellt (sie sind hier zu finden). Die Fragen decken grob alle Anforderungen aus der Ausschreibung ab. Wir finden die Auswahl der Fragen ausgewogen und geeignet, einen groben Überblick über den Bewerber zu bekommen.

Von der Fraktion wird gewünscht, dass wir uns während der Gespräche Notizen zum Ablauf machen und diese nach dem jeweiligen Gespräch mit der Fraktion besprechen. Wir sollen uns während den Gesprächen zurückhalten und Anmerkungen nur machen, wenn sie dringend sind. Unser Vorschlang einen Bericht über unsere Beobachtungen zu verfassen wird dankend angenommen, da in den Parteimedien ein Interesse zu dem Verfahren besteht.

 

Donnerstag, 05.07.2012 und Freitag, 05.07.2012

An jedem Tag finden ab 17 Uhr jeweils zwei Gespräche statt.

Wir treffen uns an beiden Tagen eine halbe Stunde vorher mit der Fraktion im Fraktionsbüro, um die Bewerbungsunterlagen einzusehen. Wir nehmen die Bewerbungsunterlagen mit in die Gespräche und geben diese selbstverständlich am Ende des Tages wieder zurück. Von den sechs eingegangenen Bewerbungen wurden vier Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wir haben auch Einsicht in die Unterlagen der beiden abgelehnten Bewerber. Nach Rückfragen zu den Ablehnungsgründen können wir die Auswahl nachvollziehen.

Die Gespräche beginnen jeweils mit einer kurzen Vorstellung und der Erläuterung unserer Anwesenheit als Beobachter.

Es folgt die Selbstvorstellung des Bewerbers und Fragen der Fraktion an ihn.

Zu den Gesprächen im Detail können wir aus Datenschutzgründen nicht viel schreiben, deswegen liefern wir hier nur eine generische Übersicht.
Alle Gespräche dauern ungefähr 45 Minuten. Wir haben während der Gespräche alle Fragen und teilweise auch die Antworten aufgeschrieben, um vergleichen zu können, ob jeder Kandidat ähnliche/gleiche Fragen bekommt.

Gestellte Fragen:

  • Offene Abschnitte in Lebenslauf, fehlende (Arbeits-)Zeugnisse, „was bedeutet dieser Abschluss“
  • Weshalb beruflicher Wechsel / Aufgabe des (früheren/jetzigen) Jobs / Selbständigkeit?
  • Zeitlich machbar (in Hinblick auf Arbeit in der Partei, Selbständigkeit, Familie)?
  • Wo siehst du dich in 2-5 Jahren (in Hinblick auf Kandidatur zur LTW, weitere berufliche/familiäre Planung)?
  • Ab wann kannst du anfangen?
  • Zusammenarbeit mit anderen Geschäftsführern und Parteien / Verhandlungsgeschick?
  • Wo sind deine Schwächen?
  • Was kannst du aus deiner Beruflichen Erfahrung mitnehmen / wie damit Fraktionsarbeit unterstützen?
  • Bisherige politische Tätigkeiten innerhalb der PIRATEN und vor der Mitgliedschaft in der Piratenpartei?
  • Erfahrung Protokollierung?
  • Erfahrung PM?
  • kaufmännische Erfahrung?

Hinweise:

  • Stelle ist Zeitlich befristet
  • Arbeitszeiten flexibel / dennoch fester Rahmen

Erwartungen:

  • für roten Faden zuständig
  • besuch aller Fraktionssitzungen / Ausschüsse
  • Protokollierung Abstimmverhalten
  • PM vorbereiten

Es wurden nicht alle Fragen an alle Bewerber gestellt, da manche Punkte sich schon aus der Selbstvorstellung ergeben haben. Die Hinweise und Erwartungen wurden gegenüber jedem Bewerber klar geäußert. Keinem Kandidat werden besondere oder unfaire Fragen gestellt.

Zur Phase 3 verlässt Eduard bei jedem Bewerber den Raum, damit die Fragen geheim bleiben. Auch bei Christine verlässt er den Raum, obwohl die Fragen dann nicht mehr geheim gehalten werden müssten.

Zum Anfang der vierten Phase werden manchen Bewerbern noch kurz Fragen gestellt die in der zweiten Phase ausgelassen/vergessen wurden. Danach hat der Bewerber die Möglichkeit Fragen zur Stelle und zur Fraktion zu stellen, diese beantwortet die Fraktion ausführlich.

Nach jedem Gespraech bekommen wir Gelegenheit eventuell vorhandene Kritik am Verfahren zu äußern.

 

Auswahlverfahren

Am Ende der beiden Tage berät die Fraktion sich über die Bewerber und bestimmt einen "Tagessieger". Wir werden während der Auswahl gefragt, ob wir in unseren Notizen Punkte haben die in deren Besprechung nicht genannt wurden. Die Entscheidung zwischen den besten Kandidaten des jeweiligen Tages wird dann bei einem weiteren Treffen am Sonntag den 08.07.2012 getroffen.

Die Entscheidung fällt auf Christine Baumann.

 

Abschlussbemerkungen

Abschließend können wir als Beobachter folgendes Feststellen:

Allen Bewerbern wurden die gleichen Fragen in der zweiten und dritten Phase gestellt. Natürlich gab es hier kleine Abweichungen aufgrund der verschiedenen Lebensläufe. Außerdem wurden manche Fragen schon direkt mit der Selbstvorstellung des Kandidaten geklärt. Die Fragen für die dritte Phase waren keinem der Bewerber vorher bekannt. Dadurch waren die beiden Fragerunden ausgewogen und fair.

Die Auswahl der Kandidaten nach dem Turniersystem ist nicht optimal, jedoch hätte auch ein Abwägen aller Kandidaten gegeneinader zum gleichen Ergebniss geführt. Auch beim Treffen am Sonntag wurden noch Vergleiche zu Kandidaten gezogen die bereits ausgeschieden waren.

Alle Punkte der Anforderungen der Ausschreibung wurden gleich stark gewichtet.

Nach den Gesprächen wurde uns klar dass man in Zukunft die Aufgaben und deren Priorisierung klar kommunizieren / festhalten / besprechen sollte. Dies wäre der einzige Punkt an dem eine Bevorzugung stattgefunden haben könnte.

Manche werden ein Problem damit haben, dass Christine als Geschäftsführer ausgewählt wurde, obwohl sie Eduards Frau ist. Da während die Auswahl eindeutig anhand der Qualifikationen stattfand können wir keine Bevorteilung erkennen.

Vetternwirtschaft bedeutet für uns eine Bevorteilung aufgrund eines familiären Verhältnisses - nicht eine Auswahl trotz eines familiären Verhältnisses.

Kommentare

Es ist schön das ihr euch

Es ist schön das ihr euch Rechtfertigen möchtet. Aber der Text macht es in meinen Augen nur noch schlimmer.

Eure Fraktion besteht aus 2 Mitgliedern, d.h. ihr könnt nur eine Mehrheit erlangen wenn ihr euch einig seid.

Wie konnte Eduard eine Entscheidung treffen, wenn ihm über alle Kandidaten nicht alle Informationen vorlagen? er konnte sich demzufolge nur nach den Selbstvorstellungen und den Lebensläufen richten, nicht nach den fachlichen Eignungen.

Für euch mag Neopotismus die Bevorteilung aufgrund eines familiären Verhältnisses bedeuten. Es bedeutet aber auch schon die Vergabe einer Arbeitsstelle durch bzw. an einen Familienangehörigen. Wir Prangern Vetternwirtschaft in allen Bereichen der Politik an, und ihr praktiziert ihn in Reinkultur. In 2010 haben wir per PM kritisiert das hohe Posten in beauftragten Firmen an Mitglieder der CDU Mitglieder vergeben wurden. Diese Firmen wurden vorher vom Landtag ohne Ausschreibungen beauftragt.

Auch kann man, obwohl etwas andere Rahmenbedingungen vorherschen, mit dem Fall von Susanne Graf vergleichen, die ihren Lebenspartner eingestellt hat.

Immer noch Frage ich mich ob dies euer ernst ist. Wir wollen Politik verändern, und ihr fallt in die ähnliche Verhaltensmuster. Bitte Überdenkt eure Entscheidung noch einmal.

Nur noch einige Fakten die

Nur noch einige Fakten die offensichtliche nicht bekannt sind/waren:
Unsere Fraktion besteht aus mittlerweile 3! Mitgliedern, daher auch erst der Anspruch auf diese Stelle. Die Entscheidung wurde von allen 3 getroffen.
Bzgl. der Kritik das Eduard die Antworten nicht kannte, er hat die Antworten von allen Kandidaten nach Abschluss des Verfahren einsehen können und konnte sie so, genau wie alle anderen auch, in seine Bewertung einfließen lassen.